von Citlali Guerra

Aquakultur: Neuigkeiten aus der Produktion des Meeres!

Einer der wichtigsten Fragen heutzutage ist: Wie werden wir fast 7500 Millionen Menschen ernÀhren können? Vor allem, wenn trotz Umweltkrisen, die Weltbevölkerung immer weiter wÀchst und wir bis 2050 einen Zuwachs auf mehr als 11 Milliarden erwarten. Proteine sind ein Mangel, und somit ist das Protein aus marinen Quellen beliebt, begehrt und sehr wertvoll. Aber wie wir bereits wissen, sind auch die Ressourcen der Meere nicht unendlich!

Die Entwicklung der Aquakultur hat in den letzten Jahrzehnten im Fischereisektor Hoffnung ausgelöst. Jedoch hat die Aquakultur dabei auch Ihre Schattenseiten - wie eigentlich alles, was vom Menschen zu massiv kultiviert wird. Irgendwann kann eine Massenhaltung nicht mehr nachhaltig sein, auch nicht im Meer.

Was ist das Hauptproblem der Aquakultur?

Die Monokulturen! Monokulturen sind der Feind der Nachhaltigkeit. Auch wenn es im Meer so viel Platz gibt der hinzu noch tridimensional ist (Die WassersÀule zwischen Meeresgrund und OberflÀche, die im Gegensatzt zur Landwirtschaft auch mitgenutzt werden kann), muss man auch hier die Fische oder andere Arten zusammenhalten.

Eine der destruktivsten Aquakultur Industrie ist die der beliebten Schrimps. Schrimps sind Filtirerer und Allesfresser, deren Lebensraum der Meeresgrund und die Mangroven. Durch Massenfischerei nach Schrimps zerstört der Mensch somit auch diese einzigartigen Mangrovengebiete. Denn da Schrimps ziemlich krankeitsanfĂ€llig sind, benutzt man oft Antibiotiker um ĂŒberhaupt die Population dadurch aufrechtzuerhalten. Antibiotiker und die Abfallprodukte der Tiere töten die Mangroven letztendlich. FĂŒr das Ökosystem allgemein ist das katastrophal, da Mangroven die “Kinderkrippen” von sehr, sehr vielen Arten unter Wasser sind.  Dadurch das Schrimps ziemlich gĂŒnstig sind und man viele Tiere benötigt um ĂŒberhaupt 1 Kg zusammen zu bekommen, braucht es Massen an Schrimps damit sich die Aquakultur ĂŒberhaupt lohnt.

Das andere grosse Problem, vor allem in der Aquakultur von Fischen ist, deren ErnĂ€hrung. Bestehende Monokulturen aus Fischarten und Krustentieren, die auf Fischmehl und Fischöl angewiesen sind, entsprechen dem Muster marktgesteuerter Umweltzerstörung, die in intensiven Agrarsystemen zu beobachten ist. Allerdings sind die durch Aquakultur verursachten Umweltauswirkungen im Vergleich zur landwirtschaftlichen Nahrungsmittelerzeugung im Allgemeinen geringer, vor allem bei der Produktion von tierischem Protein pro Einheit. Um jedoch das volle Potenzial im Hinblick auf die Verbesserung der WiderstandsfĂ€higkeit globaler Nahrungssysteme zu erreichen, muss der Aquakultursektor zuverlĂ€ssige Alternativen fĂŒr Fischmehl und Fischöl (unabhĂ€ngig von terrestrischen Systemen) finden, sich auf die Kultivierung von Arten der unteren trophischen Ebene konzentrieren und ökosystembasierte Produktionsverfahren wie die “Integrierte multitrophische Aquakultur (IMTA)” einsetzen.

IMTA entspricht in jeder Hinsicht dem Konzept der Nachhaltigkeit, welches voraussetzt, dass biologische Prozesse alles Genutzte wiederverwenden und in einen neuen Kreislauf geben.

3D ocean farming

Ein gutes Beispiel und ein Modell der multitrophische Aquakultur ist die „3D ocean farming” der Thimble Island Oyster Farm, welche von Bren Smith, einem Fischer aus Maine USA, gegrĂŒndet wurde.

Was im ersten Moment wie eine konventionelle Austernfarm aussieht, ist mehr als das. An der OberflĂ€che sieht man zwar nur ein paar Bojen, aber unter diesen Bojen laufen lange Seile entlang, an denen Seetang (Kelp), Miesmuscheln und Jakobsmuscheln baumeln. Am Meeresgrund befinden sich Austern in Kisten, unter denen die Venusmuscheln im Boden versteckt liegen. Dies alles zusammen sind schwere, sturmsichere Anker. Von unten sieht es aus wie ein Wald aus Seetang. NatĂŒrlich wird von der Muschel bis zum Seetang alles vermarktet. Diese 3D-Farmen könnten tatsĂ€chlich eine der nachhaltigsten Formen der Landwirtschaft in der Welt werden. Smith wollte die Tendenz hin zu großen, industriellen Farmen an Land stoppen, und eine völlig neue Art der Nahrungsmittelindustrie schaffen, eine die Nachhaltigkeit und Nahrungsmittelgerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt.

Aus der Unterwasserfarm ergeben sich auch sekundĂ€re Vorteile fĂŒr die Umwelt. Der Seetang kann Kohlenstoff binden, ihn aus der AtmosphĂ€re entfernen und die Auswirkungen der globalen ErwĂ€rmung reduzieren. Schalentiere können helfen, Schadstoffe und ĂŒberschĂŒssigen Stickstoff aus dem Wasser zu filtern. Die Exkremente der Austern und Muscheln liefern dem Seetang wichtige NĂ€hrstoffe. Die Farm kann sich sogar wie ein Korallenriff verhalten, indem sie anderen Tieren ein Versteck und Lebensraum bietet. Hier schließt sich ein Zyklus, in dem mehrere Arten voneinander abhĂ€ngig sind. Alles ist im Gleichgewicht, genau wie in der Natur. Nachhaltigkeit ist somit eine Konsequenz und nicht das Ziel. Das ist wahre, unverfĂ€lschte Nachhaltigkeit.

Smith geht sogar noch einen Schritt weiter und fördert hinzu die soziale Nachhaltigkeit. Er ist verantwortlich fĂŒr GreenWave, einer „Non-profit Organisation“, die anderen Landwirten hilft, ihre eigene 3D Farm zu grĂŒnden und sie ermutigt, nur lokale Arten zu verwenden. Eine Farm in Kalifornien wird nicht die gleiche Art von Algen und Schalentieren hervorbringen, wie eine Farm in Maine. Dies ist eine Praxis, die dazu beitragen kann, unser Nahrungssystem vor Klimawandel und Krankheiten zu schĂŒtzen.

Persönlich finde ich, dass die Schalentiere wie Austern und Muschlen sehr attraktiv als Nahrung sind, da sie leicht zu kultivieren und fĂŒr ein zyklisches System wie der 3D Farm von Bren Smith, gut geeignet sind.

Aber was ist mit den Fischen?

Fische sind komplizierter zu halten, und schweriger zu ernĂ€hren. Ist eine nachhaltige Aquakultur mit Fische ĂŒberhaupt möglich? Es gibt auf jeden Fall gute Nachrichten und Dank Innovation, KreativitĂ€t und Motivation von immer mehr Menschen, bereits viele Initiativen zu diesem Thema. Dazu zĂ€hlen Dr. Andreas Kunzman, Dr. Holger KĂŒhnhold, Prof. Dr. Achim SchlĂŒter und Dr. Aisa O. Manlosa vom ZMT (Zentrum fĂŒr Marine Tropenforschung, Bremen) die Teil eines interdisziplinĂ€ren Konsortiums, das die Möglichkeiten neuer Nahrungsmittelressourcen (z.B. Algen, Quallen und Insekten) anbieten. Die Wissenschaftler arbeiten dabei zusammen mit Ihren Kollegen aus Chile, die das Projekt  „Food for the Future" (F4F) steuern.  F4F sucht nach Lösungen, um die kommenden globalen Herausforderungen im Bereich der ErnĂ€hrung zu bewĂ€ltigen.

Was ist die Idee von "Food for the Future"?

Insekten zu essen! Aber nicht wir sollen die essen, sondern die Fische die wir essen. Wir mĂŒssen konventionelle Proteine ​​wie Fischmehl und Soja ersetzen, die als Nahrungsmittelressourcen bereits jetzt nicht mehr in der Lage sind, ihre Produktion ĂŒberhaupt noch weiter zu steigern. Heutzutage wird 20% der Fischerei dafĂŒr verwendet um die grössere Fische zu ernĂ€hren die wir letzendlich essen. Das ist so nicht mehr lange trabgbar.

Insekten sind als eine hervorragende Proteinquelle bereits bekannt. Jetzt hat F4F angefangen, eine bestimmte Fliege (Black Soldier, Hermetia illucens) welche in Chile vorkommt,  fĂŒr die ErnĂ€hrung von Fische einzusetzen. Diese Fliegen mĂŒssen benötigen im Erwachsenenalter keine Nahrung mehr, sondern das einzige was sie tun ist sich zu vermehren. Das fĂŒhrt dazu, dass Erwachsene Fliegen auch keine Krankheiten ĂŒbertragen können. DarĂŒber hinaus können die Larven zwischen 7 und 10 Tagen nach dem Ablegen der Eier geerntet und als Futter genutzt werden. Durch den Kontakt mit AbfĂ€llen haben die Larven ein hoch entwickeltes Immunsystem, so dass sich ihre antimikrobiellen Eigenschaften auf das Tier, das sich von ihnen ernĂ€hrt, ĂŒbertragen werden. So produzieren F4F schließlich dieses Insektenprotein, das die Verwendung anderer weniger nachhaltiger Produkte wie Fischmehl oder Soja vermeidet.

Citlali Guerra

Citlali ist unsere Nachhaltigkeits-Beauftragte ‹bei ethicDeals und betreut unser Projekt "MariTeam". Sie lebt in MĂ©xico (Baja California) und ist Meeresbiologin. Citlali wird regelmĂ€ssig BeitrĂ€ge zu MariTeam veröffentlichen und freut sich dazu immer ĂŒber Fragen und Anregungen aus der Community!