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von Moritz v. Dolffs
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Lebensmittel für die Tonne! Wie funktioniert das System der „Ultra Frische“?

Lebensmittel für die Tonne! Wie funktioniert das System der „Ultra Frische“?

Vor einiger Zeit stieß ich bei Instagram auf die Seite „Pointless Packaging“ gestoßen. Hier kriegt der Verpackungswahnsinn ein Gesicht: Gekochte & geschälte Eier im Plastikmantel, eingeschweißte Zitronen und einzeln eingeschweißte Trauben. Ein plastikgewordener Albtraum und ein Schlag in die Magengruben all jener, die Tag für Tag durch Umsichtigkeit und bewusstes Handeln versuchen, unsere Erde etwas müllfreier zu halten. 

Die Ultra-Frisch- Produkte müssen innerhalb von 3 bis 7 Tagen verkauft werden. Andernfalls werden sie wegen ihrer kurzen Mindesthaltbarkeit wieder aus den Truhen genommen.

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Aber, es geht noch schlimmer oder jedenfalls anders bekloppt: In fast jedem Supermarkt gibt es nämlich Produkte, bei denen sowohl Verpackungen als auch die Waren selbst von Anfang an für die Tonne produziert werden. Sowas heißt „einkalkulierte Ausschussware“ und liegt – bevor es weggeworfen wird – für kurze Zeit in der Kühl- bzw. Frischetruhe nahe dem Eingangsbereich der Märkte (weswegen diese im Fachjargon übrigens als „Stolpertruhe“ bezeichnet werden, weil die mehr oder weniger ahnungslosen Konsumenschen über die angebotenen Waren fallen sollen). 

Was für die einen einkalkulierte Ausschussware ist, wird anderen als „Ultra Frische“-Produkt verkauft: Sushi, Salate, Suppen, Wraps und Sandwiches, die eine äußerst kurze Haltbarkeit haben. 

Getreu dem Credo des Lebensmitteleinzelhandels „Masse macht Masse“ sind die Truhen stets gut gefüllt und bieten dem eiligen Konsumenten den schnellen Snack für zwischendurch – ultrasupersonder frisch und sicher verpackt in sehr viel Plastik. 

Wie funktioniert das System der „Ultra Frische“?

Im Folgenden der übliche Weg von Sushi-Box, Farmers Wrap und Thunfisch Sandwich – von der Herstellung, über den Supermarkt bis in die Mülltonne. 

Sushi, Wraps und Co werden zunächst – oftmals in sehr mittelmäßiger Qualität – am Fließband produziert. Sushi ist ein empfindliches Produkt. In engergie-intensiven Hochhygienebereichen wird Reis gekocht und sorgsam mit Fisch, Algen, Gemüse & Co weiterverarbeitet. Die Gefahr der Keimbelastung ist dabei groß.
An anderer Stelle werden von Wraps von Hand gerollt und Sandwiches belegt, um sie anschließend transportsicher in Hartplastikverpackungen zu verstauen. 

Die Ultra-Frisch- Produkte müssen innerhalb von 3 bis 7 Tagen verkauft werden. Andernfalls werden sie wegen ihrer kurzen Mindesthaltbarkeit wieder aus den Truhen genommen. Also wird in einem engmaschigen Logistiksystem die Ware bei Kunden in ganz Deutschland verteilt. Dabei gibt es für den Lebensmitteleinzelhandel zwei Konzepte:

  1. Mit Retoure – hierbei trägt der Produzent das Risiko und nimmt nicht-verkaufte Ware komplett zurück
  2. Ohne Retoure – der jeweilige Einzelhändler trägt das Risiko von nicht-verkaufter Ware selbst. Dafür hat er eine höhere Gewinnspanne.

Mit jeder Befüllung einer Frischetruhe wird gemessen, wie viel verkauft und welche Mengen zurückgenommen wurden. Egal ob mit oder ohne Retoure: Selbstverständlich wird versucht, möglichst nichts wegzuwerfen. Das ist aber nur selten möglich, da zwei Faktoren dagegenwirken: Zum einen das bereits genannte Phänomen „Masse macht Masse“. Es ist erwiesen, dass die Konsumenschen deutlich häufiger zugreifen, wenn eine Frischetruhe voll ist. Niemand möchte schließlich die Reste von irgendetwas kaufen. Zum anderen werden eher Produkten genommen, die eine möglichst lange Restlaufzeit haben. Wer kauft schon ein Thunfischsandwich, das am gleichen Tag abläuft, solange auch eins zu haben ist, das noch 4 Tage haltbar ist? 

Trotz aller Optimierungen und Anstrengungen: Es bleibt immer etwas übrig. Und da Wrap, Sushi & Co keine Restlaufzeit mehr haben, können sie auch nicht an die Tafel gespendet werden. Deshalb heißt es für die ehemaligen Ultra-Frischlinge: Ab in die Tonne.

Die Produzenten indes haben natürlich von Anfang an einkalkuliert, dass sie ihre Ware im Wurst-Käs‘-Szenario zurücknehmen müssen – und zwar bis zu 20% der ausgelieferten Sushi-Sandwich-Wrap-Familie. Zum Glück werden aber mit jedem Kauf die Retouren quersubventioniert (Ironie wieder ausschalten). Bei guter Planung bleiben ein gutes Geschäft für Händler und Produzenten – und haufenweise Verpackungsmüll sowie weggeworfene Lebensmittel als ein weiteres Zeichen der moralisch verwerflichen Dekadenz unserer Wegwerfgesellschaft.

Nicht nur für Zahlen-Fans folgt nun eine kurzweilige Kalkulation zur Veranschaulichung des eben geschilderten Wahnsinns: Nehmen wir mal an, rund 5000 Supermärkte bieten in Deutschland „Ultra Frische“ an (da es ca. 35.000 Lebensmitteleinzelhändler hierzulande gibt, ist diese Zahl recht niedrig gegriffen). In jeder Filiale bleiben pro Lieferung 1 Wrap à 200g, 1 Sandwich à 180g, 1 Salat à 250g und 1 kleine Sushi-Box à 220g übrig. Diese Produkte wiegen insgesamt 850g. Der Markt wird zweimal wöchentlich beliefert. Das heißt: 1,7 kg Lebensmittel (in Plastik verpackt) pro Filiale werden retourniert bzw. entsorgt. Das macht bei 5.000 Filialen insgesamt 8.500kg pro Woche, jährlich über 420 Tonnen Lebensmittel für die Tonne. Glaubt mir – das ist vorsichtig gerechnet. In Wahrheit ist es deutlich mehr, aber darüber schweigen die Hersteller wohlweislich.

Dabei ist es so einfach, diesen Wahnsinn zu stoppen: Leckere Pausenbrote und Salate von zuhause mitnehmen, gutes Sushi gibt es frisch zubereitet an jeder Straßenecke. Und auch mit wiederverwendbaren Behältnissen wird viel Müll gespart. Positiver Nebeneffekt: Sowohl der Geldbeutel als auch die Umwelt werden geschont – Pluspunkte auf dem Karmakonto inklusive.

Moritz v. Dolffs
Die nächste große Herausforderung vor der die Welt und damit wir alle samt Kindern und Kindeskindern stehen ist das Ende der natürlichen Ressourcen. Mit meinem Engagement für eine ökologische Ökonomie möchte ich einen Beitrag gegen Raubbau, ökologischen Kollaps und soziale Ungerechtigkeit leisten.
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